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(Online)Dating als kinderfreier Mensch (Teil 1) Was willst DU?

Machen wir uns nix vor - Dating (gerade online) kann beides sein: Sehr aufregend, aber eben auch ziemlich nervig. Die Tatsache, keine Kinder zu wollen, macht es nämlich nicht gerade einfacher. Daher teile ich heute einige Gedanken, Fragen und Tipps zum Thema "Verlieben als kinderfreier Mensch" mit euch.

 

Kleiner Disclaimer: Auch wenn ich mich eher auf das Thema "Online-Dating" beziehe, sind viele der Dinge auch auf das "analoge Dating" anwendbar. Und: Dieser Post besteht aus zwei Teilen, weil ich mich entschieden habe, das Thema aufzuteilen.

Viele von euch beschäftigen vor allem die Fragen: Wann spreche ich das Thema an? Wie gehe ich damit um, wenn mich jemand zu Kindern bekehren will? Wie formuliere ich das eigentlich in einem Datingprofil?

 

Das sind alles sehr gute Fragen. Ich glaube aber, dass das schon ein bisschen zu weit gesprungen ist für den Anfang. Bevor es im zweiten Teil um das operative Dating-Business geht, soll in diesem ersten Teil erst einmal um DICH und deine Vorstellungen gehen.

Bevor du dich überhaupt anmeldest bei einer Plattform - mache dir Gedanken, was DU willst und was für DICH in Frage kommt.

 

Das klingt für einige vermutlich entweder komplett trivial, sehr verkopft oder beides. Ich glaube: Es ist sinnvoll, wenn du dir vorher wirklich Gedanken machst, was du willst und welche Konstellationen und Menschen für dich in Frage kommen. Denn es ist nun mal so: Das Internet ist nicht gerade voll von kinderlosen Singles, die sich zu 100% sicher sind, dass sie auch definitiv keine Kinder möchten. 

  • Da draußen laufen ne Menge Singles rum, die schon Kinder haben.
  • Außerdem gibt es da noch die Menschen, die noch gar nicht so richtig wissen, ob sie Kinder wollen.
  • Und dann ist die Kinderfrage vermutlich nicht dein einziges Kriterium bei der Partner*innenwahl, oder? 

Daher ist es sinnvoll, wenn du dir im Vorfeld darüber klar wirst, was du suchst und dazu gehört die Frage, wie du eine "kinderfreie Beziehung" für dich definierst - heißt das "gar keine Kinder" oder nur "keine eigenen Kinder, aber Partner*in mit Kind ist ok? Wie gehst du damit um, wenn sich jemand in der K-Frage noch nicht sicher ist? Und - ganz wichtig: Was ist dir über all das hinaus wichtig in einer Beziehung? Denn es nützt nun mal eben wenig, wenn der/die potenzielle*r Partner*in zwar keine Kinder hat und möchte, aber ansonsten überhaupt nicht zu dir passt. 

 

Natürlich kann es sein, dass du im Prozess ein paar Ansichten noch ein wenig veränderst.  Aber glaub mir, es schadet nicht, sich einige Gedanken zu machen, BEVOR der Hormonrausch der Verliebtheit einkickt. Sonst besteht die Gefahr, faule Kompromisse zu machen, nicht ehrlich zu dir zu sein oder dich auf etwas einzulassen, was dir gar nicht entspricht. 

 

Und es gilt: Es gibt bei den Antworten auf diese Fragen nichts, was objektiv "richtig" oder "falsch" ist - es kommt nur darauf an, was sich für dich gut und richtig anfühlt.

 

Legen wir also los! 

Kommt jemand für dich in Frage, der oder die schon Kinder hat? Unter welchen Voraussetzungen?

Vielleicht gehörst du zu der Fraktion, die ganz klar sagt: Für mich bedeutet "kinderfrei sein", dass ich nur mit jemanden zusammen sein will, der auch keine Kinder hat und keine möchte. Dann kannst du diesen und den nächsten Abschnitt überspringen.

 

Es gibt aber auch diejenigen, die "kinderfrei sein" als "keine eigenen Kinder" definieren und für die es durchaus in Frage kommt, eine Beziehung mit jemandem zu führen, der oder die Kinder hat. Doch es gibt viele unterschiedliche Lebensrealitäten bei Singles mit Kind(ern) und die solltest du vorab zumindest grob durchdenken. 

 

Stellen wir uns vor, du lernst David kennen. David ist alleinerziehender Vater von zwei Kindern. Die Kinder sind drei und fünf Jahre und leben Vollzeit bei ihm und sind nur alle zwei Wochen übers Wochenende bei der Mutter, die in der gleichen Stadt lebt. Und dann ist da auf der anderen Seite Michael, der eine 15jährige Tochter hat, die mittlerweile nur noch einmal im Monat übers Wochenende vorbeikommt, weil sie in einer anderen Stadt lebt. Kommen diese Männer beide gleichermaßen für dich in Frage?

 

Dazwischen und darüber hinaus gibt es noch so einiges anderes "am Markt", daher frage dich vorher einmal grundsätzlich:

  • Wie relevant ist es, ob die Kinder bei der Person leben bzw. wie oft sie Zeit dort verbringen?
  • Spielt das Alter der Kinder eine Rolle? Oder die Anzahl der Kinder?

Vermutlich kannst du es nicht auf eine Formel runterbrechen "Wenn es ein Kind ist, das als 12 ist und nicht Vollzeit bei der Person lebt, ist es ok. Alles andere geht nicht." Dennoch schadet es nicht, einen groben Rahmen zu haben, in dem du dich bewegen willst. In den kannst du die Realität dann später besser einordnen, als wenn du dir dazu vorher keine Gedanken machst. Damit verbunden ist für mich auch die folgende Frage:

Wenn es ernst wird mit einer Person, die Kinder hat - Wie stellst du dir deine "Rolle" in dieser Beziehung vor?

Ein Thema, über das du frühzeitig mit der anderen Person reden solltest. Denn wer Kinder hat, sucht eventuell nach jemandem, der/die dann auch irgendwann gemeinsame Zeit mit den Kindern verbringt. Aus der Elternperspektive komplett verständlich - heißt aber nicht, dass du das als kinderfreier Mensch genauso willst. 

 

Vielleicht sagst du selbst, dass es dir wichtig ist, die Kinder kennenzulernen, weil sie eben so ein wichtiger Teil im Leben der Person sind. Auch da ist aber die Frage: In welchem Umfang? Kannst du dir vorstellen, jedes zweite Wochenende in Zoos, Freizeitbädern oder mit Disneyfilmen zu verbringen, also mit "kindgerechten Aktivitäten?" Siehst du dich im zweiwöchigen Urlaub mit einem Partner und zwei Kindern? Eventuell kannst du dir das gut vorstellen oder sagst, du würdest das zumindest ausprobieren. Es kann aber auch sein, dass du sagst "Ich möchte so wenig wie möglich mit den Kindern zu tun haben. An den Kinderwochenenden mach ich was mit meinen Mädels und in den Urlaub fahre ich nur mit dem Partner alleine." Auch das ist vollkommen in Ordnung - potenzielle Partner*innen sollten das aber wissen.

 

Deshalb solltest du deine Vorstellungen und Erwartungen bezüglich der Kinder mit der anderen Person früh abgleichen. Nicht erst dann, wenn es nach sechs Monaten Beziehung darum geht, dass du die Kinder kennenlernst und du offenbarst, dass du darauf gar keine Lust hast.

 

Das kann auch heißen, dass du einfach erstmal das sagst, was du in dem Moment zu wissen glaubst. Denn vielleicht bist du ja gar nicht sicher, was du dir vorstellen kannst, hast aber eine Tendenz. Sage also z. B. "Ich kann mir Stand heute vorstellen, deine Kinder kennenzulernen und auch mal die Wochenenden gemeinsam zu verbringen. Aber nicht jedes Wochenende. Es kann sein, dass sich das verändert und auch viel mehr Kontakt für mich ok ist - das hängt ja auch davon ab, wie es läuft. Es kann aber auch sein, dass mir das zu viel wird. Sowas wie gemeinsamen Urlaub kann ich mir gar nicht vorstellen."  

 

Im Zweifel merkt ihr beide so schon früh, dass ihr euch unterschiedliche Dinge vorstellt. Das muss auch nicht das Ende bedeuten, aber zumindest ist es allemal besser, die Karten von Anfang an auf den Tisch zu legen und unter ehrlichen Vorzeichen zu gucken, ob es trotzdem funktioniert.

 

Schlimmstenfalls geht sonst die andere Person implizit davon aus, dass du sie ja gar nicht daten würdest, wenn du nichts mit den Kindern zu tun haben willst. Und du gehst davon aus, dass der andere ja wohl von einem kinderfreien Menschen nicht erwarten wird, die Ersatzmutti oder den Ersatzvati zu spielen. Solche Missverständnisse vermeidet man besten durch Reden.

Was tust du, wenn du jemanden kennenlernst, der oder die sich noch gar nicht sicher ist in der Kinderfrage?

Je jünger die Altersrange, in der du suchst, desto höher ist vermutlich die Quote derjenigen, die noch unsicher sind. Und meine Wahrnehmung ist die: Es gibt da draußen auch in den 30ern noch so einige Männer und auch Frauen, die sich noch nicht  entschieden haben, ob sie Kinder möchten oder nicht. Ich habe schon mehrfach von Männern - auch denen in den späten 30ern - den Satz gehört "Ich hab da noch gar nicht so drüber nachgedacht, ob ich das eigentlich will."

 

Es besteht die Möglichkeit, dass du jemanden triffst, der oder die sich noch nicht sicher ist. Gerade Männer können sich theoretisch bis ins hohe Alter noch umentscheiden. Wenn daraus etwas Ernstes wird, kann es sein, dass die andere Person irgendwann sagt "Ich möchte doch Kinder."

 

Möchtest du dich dann trotzdem auf eine Beziehung einlassen bzw. darauf, diesen Menschen erstmal zu daten, dich ggf. zu verlieben und eine Beziehung zu führen? Wie stehst du zu dem "Risiko", dass die K-Frage für die Person ungeklärt ist und die Beziehung dadurch dann auch irgendwann zu Ende sein kann?

 

Auch dabei gibt es kein "Richtig" oder "Falsch". Es kommt einfach auf dich und deine Situation an und auf die Frage, ob du dich unter der Voraussetzung auf jemanden einlassen kannst oder das lieber nicht willst. 

Abgesehen von der Kinderfrage: Was ist dir wichtig in einer Beziehung?

Gerade, wenn du eine*n kinderfreie*n Partner*in suchst oder jemanden, der zumindest deine Entscheidung akzeptiert, kinderfrei zu leben, ist das besonders wichtig. Ansonsten kann es passieren, dass du dich zum Großteil auf das Kinderthema fokussierst - dafür aber andere wichtige Beziehungs-Aspekte von deinem Radar verschwinden.

 

Überlege dir vorher, was dir absolut wichtig ist und bei welchen Dingen du auch Kompromisse machen würdest. Damit meine ich nicht, dass du dir eine Checkliste mit 128 Punkten schreiben sollst, die du beim ersten Date abhakst. Und ich meine auch nicht, dass du dich (ausschließlich) auf optische Aspekte beziehen solltest.

 

Überlege dir als Anhaltspunkt zumindest zu den ersten beiden Fragen etwa drei bis fünf Punkte, die dir besonders wichtig sind, damit bist du gut ausgestattet. Dabei kannst du z. B. auch an vergangene Beziehungen denken und an Dinge daraus, die du gerne beim nächsten Mal anders hättest.

  1. Was ist für dich absolut wichtig in einer Beziehung/an der anderen Person?
  2. Was ist dir wichtig, du würdest aber Kompromisse machen?
  3. Und ggf. ergänzend zum ersten Punkt: Was sind absolute No-Go's?

Dabei geht es darum, was dir persönlich wichtig ist. Das kann so etwas sein wie "ähnlicher Humor" oder "ähnliche politische Einstellung". Oder auch ein vergleichbares Bedürfnis nach Nähe und Distanz - denn wenn du sehr freiheitsliebend bist und die andere Person dich ab dem dritten Daten gerne jeden Tag mit dir verbringen will, dann wird es schwierig. 

Das ist auch deshalb eine kleine Challenge, weil du dich dafür schon ein bisschen mit dir selbst auseinandersetzen musst, aber es lohnt sich. Dann ist die Gefahr geringer, dass du Dinge verdrängst, die dir eigentlich wichtig sind, nur weil die andere Person auch keine Kinder will und du gerne möchtest, dass es mit euch klappt. Früher oder später ist Ärger vorprogrammiert.

Wichtig also: Mache dir vorher ein paar Gedanken, damit du später auch klar kommunizieren kannst!

Es hilft meiner Meinung nach definitiv, wenn du dir vorher die oben genannten Fragen stellst und einfach mal in dich hineinhörst. Was hier auch schon ein bisschen deutlich wird: Ich persönlich bin der Meinung, dass du den nicht vorhandenen Kinderwunsch frühzeitig und klar kommunizieren solltest. Das ist nur fair - auch der anderen Person gegenüber und ganz pragmatisch gesehen spart es auch Zeit, wenn direkt klar ist, dass es mit dir und der anderen Person nicht ganz passt. Mehr dazu, wie du das in welcher Situation machen kannst, erfährst du im zweiten Teil des Beitrags.

 

Was ist deine Haltung zu diesem Thema? Datest du Menschen, die Kinder haben? Oder Menschen, die noch nicht genau wissen, ob sie mal Kinder möchten? Ich freue mich auf deine Kommentare!

Bildquelle: unsplash.com

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