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Selbstverantwortung - Was bedeutet das eigentlich?

Ich habe ja lange Zeit gedacht, dass ich total viel Selbstverantwortung übernehme. Ich meine, ich hab einen Job, meine Wohnung ist aufgeräumt. Ich ernähre mich gesund. Ich bewege mich regelmäßig. Und ich habe das Ausmaß meiner schlechten Angewohnheiten zumindest soweit eingedämmt, dass ich deswegen keine Angst vor frühzeitigen Herz-Kreislauf-Erkrankungen mehr habe. Is ja wohl voll selbstverantwortlich, oder nicht?

 

Zumindest wäre das bis vor einigen Jahren noch meine Antwort darauf gewesen, für wie "selbstverantwortlich" ich mich halte. Irgendwann (ich schätze so vor 3 Jahren) bin ich dann aber immer häufiger über das Thema gestolpert. Sei es in Büchern oder Podcasts - genau kann ich es gar nicht mehr sagen. Und mit der Zeit und einem (teilweise schmerzhaften) Blick auf mein Leben und mein Verhalten, habe ich erkannt, dass dieser Begriff so viel mehr ist. Heute kann ich sagen:

Selbstverantwortung bedeutet für mich, dass ich für alles in meinem Leben die Verantwortung übernehme. Und zwar nicht nur für bestimmte "Sachverhalte", sondern auch für meine Gedanken und Gefühle.

Konkret bedeutet das, dass ich folgende Dinge über mich und mein Leben glaube:

  • Alles, was in meinem Leben gerade "nervt", habe ich selbst verursacht. Egal, ob das z. B. ein Konflikt im Freundeskreis oder im Job ist, meine aktuelle finanzielle Situation, mein gesundheitlicher Zustand etc. Ich bin an all dem "selbst Schuld", weil es meine Entscheidungen waren, die mich an diesen Punkt geführt haben. Umgekehrt - und das ist die gute Nachricht - gilt das gleiche auch für all die Dinge, die in meinem Leben gerade positiv sind. 
  • Immer dann, wenn mich etwas oder jemand emotional "aufregt", mich wütend macht oder ähnliches, dann erzeuge ich auch dieses Gefühl selbst. Ich bin dafür verantwortlich, wie ich mich fühle; nicht die andere Person oder "die Umstände". Es ist alles davon abhängig, wie ich die Realität interpretiere, welche Gedanken das bei mir auslöst und welche Gefühle diese Gedanken erzeugen. Dementsprechend kann ich selbst steuern, wie ich mich fühlen möchte (Ja, Leute ... Ich weiß schon, dass das oft nicht so einfach ist; aber das Wissen darum ist schon mal sehr hilfreich und bedeutet übrigens meiner Meinung nach auch nicht, dass man nicht doch ab und zu mal amtlich ausrasten darf ;)).

Gerade in der aktuellen Situation kannst du sicher auch selbst in deinem Umfeld beobachten, wer Selbstverantwortung übernimmt und wer nicht.

In dem Moment, in dem ich das hier schreibe, hat die Regierung gerade einen weitere Lockdown ab November beschlossen. Eine Situation, die für viele Menschen emotional belastend ist; für nicht wenige sogar existenzbedrohend, weil sie hohe finanzielle Einbußen zu verzeichnen haben. 

 

Gerade jetzt in dieser Situation wird sehr deutlich, wer Selbstverantwortung übernimmt und wer nicht. Menschen, die keine Selbstverantwortung übernehmen, erkennst du zum Beispiel daran ... 

  • ... dass sie jammern, wie furchtbar doch alles ist - auch wenn sie selbst zum Beispiel finanziell überhaupt nicht betroffen sind. 
  • ... dass sie in einer Schockstarre verharren und der Politik und dem blöden "China Virus" für alles die Schuld geben. 
  • ... dass sie sich darauf fokussieren, was gerade alles nicht mehr geht und wie schrecklich das ist.
  • ... dass sie sich in ihr Jammertal zurückziehen und mit einer "die Welt ist gegen mich" Attitüde durch die Gegend laufen.

Selbstverantwortliche Menschen erkennst du hingegen gerade zum Beispiel an folgenden Verhaltensweisen:

  • Sie sind dankbar dafür, was gerade - trotz allem - noch geht und möglich ist und nutzen eben diese Möglichkeiten und weisen auch andere aktiv darauf hin.
  • Sie versuchen - egal wie schwer sie emotional und finanziell getroffen sind - das beste aus der Situation herauszuholen. 
  • Sie suchen Lösungen und werden kreativ, anstatt zu jammern. 
  • Anstatt darüber zu schwadronieren, was andere jetzt tun und beschließen müssten (z. B. in der Politik, an den Schulen etc.), überlegen sie sich, was sie selbst noch heute tun können, um ihre Situation und die Situation der Gesellschaft zu verbessern.

Na, auf welcher Seite stehst du eher?

Das fiese an Selbstverantwortung: Es ist einfach so viel einfacher, zu jammern und anderen die Schuld zu geben.

Deshalb ist es meiner Meinung nach auch komplett normal, dass es niemand sofort und in allen Lebenssituationen auf die Reihe kriegt, sich zu 100% selbstverantwortlich zu verhalten. Geht mir auch so. Manchmal verkrieche ich mich in mein Jammertal und möchte einfach nur auf die Welt schimpfen. Und das ist auch in Ordnung, denn irgendwann tauche ich trotzdem wieder auf und weiß, dass ich jetzt selbst aktiv werden muss, um etwas an meiner Situation zu ändern. Dass es nicht bringt zu jammern. Auch wenn es total anstrengend ist, immer die Verantwortung für alles zu übernehmen. Weil Decke übern Kopf dann doch irgendwie oft die bequemere Lösung ist. 

Das Großartige an Selbstverantwortung ist aber: Es bedeutet auch, dass du zu 100% selbst darüber entscheidest, wie sich dein Leben anfühlt.

Und ja, das gilt auch in Zeiten einer globalen Pandemie, in der wir uns sicher alle von Zeit zu Zeit so fühlen, als wäre da auf einmal von außen ein großen Monster in unser Leben geplatzt, dass uns jetzt sagt, was wir tun oder lassen sollen. Denn Selbstverantwortung bedeutet nicht, dass du alles steuern kannst, was dir passiert. Aber du kannst du 100% steuern, wie du mit dem umgehst, was dir passiert. Was du daraus machst. 

 

Was sich durch diese Erkenntnis für mich verändert hat, wie das eigentlich genau geht und wie du damit umgehst, wenn das einfach mal nicht gelingen will, dazu erfährst du sicher hier an anderer Stelle noch mehr. 

 

Fürs erste entlasse ich dich aber einfach mal mit den Fragen, zu denen du gerne hier einen Kommentar hinterlassen darfst: In welchem Lebensbereich oder in welcher Situation übernimmst  möchtest du noch mehr Selbstverantwortung übernehmen? Und in Bezug auf welches Thema kannst du schon richtig stolz auf dich sein, weil du da schon sehr selbstverantwortlich unterwegs bist?  

 

 

Bildquelle: unsplash.com

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